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(from scrapbook 1, page 16)

  

Title: JOHN COGHLAN: "Ich setze auf Schottland!"
Notes: German interview with the whole band
Year:
Country: Germany
Publication:
Author: Andy M. Pfromm

Clipping text

STATUS QUO

lieben Drinks, Dali, Autos und Fußball! Uneinigkeit herrscht bei ihnen allerdings in der Frage nach dem kommenden Weltmeister...

JOHN COGHLAN: "Ich setze auf Schottland!"

fans-Redakteur Andy M. Pfromm sprach mit den Vier Musikern

Manchmal, nach bestimmten Konzerten, habe ich so ein merkwürdiges Klingeln im Ohr. Wenn es zwei Stunden nach dem Konzert noch erklingt, war's schon ganz schön laut. Wenn es allerdings bis zum nächsten Morgen anhält, dann war es wahrlich ein Lärmorgie.

Bestes Beispiel für soich eine "Orgie" waren für mich die STATUS QUO, zumal meine wirklich langsam abgehärteten Ohren noch zwei Tage nach dem Hamburger Konzert "singenden Protest" einlegten. Ja, STATUS QUO war laut, war wild, war die totale Showband. Wir trafen uns ein paar Tage darauf bei einem gemeinsamen Bekannten auf ein paar Drinks, und ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, gleich nach der Lautstärke zu fragen - ob das sein müsse und so.

Oh Mann, ich glaube, da hatte ich was falsches gesagt. Rick Parfitt guckte mich an wie 'ne Kuh wenn's blitzt, Mike Rossi riß den Mund auf, Alan Lancaster verschluckte sich an seinem Getränk und nur John Coghlan gab Laut: "Was, wie bittet, wer ist ist hier laut? Ich hör nichts."

Allgemeines Grinsen schloß sich diesen Worten an - sie stellten sich also taub auf "dem" Ohr. Dafür murmelte Alan Lancaster: "Das einzig Laute, daß ich kenne, sind deutsche Autos. Hab selbst eins, und meine Frau auch. Ich meine damit, sie hat gleichfalls einen deutschen Wagen."

Irgendwie waren wir auf's falsche Thema gekommen, jedenfalls wurde jetzt eine gute Viertelstunde über alle möglichen Wagentypen, deren Vor- und Nachteile gesprochen.

Nach dieser Episode kamen wir, der Himmel weiß wie, auf das Thema Kunst und zwar da speziell Malerei. Und hier offenbarten sich bei allen vieren gleiche Neigungen. Sie standen auf Surrealismus, und damit natürlich auf Dali. Außerdem kannten sie einen jungen Maler in Soho sehr gut, (den Namen habe ich vergessen) der gerade eine erste Ausstellung laufen hatte. Rick: "Ich habe mir sogar ein paar Bilder von ihm zugelegt. Es sind wirklich sehr dufte Sachen darunter!" Irgendwer erwähnte schließlich das Wort Fußball, und damit war für die Kunst prompt der Ofen aus. "Und überhaupt, Weitmeister wird, wenn überhaupt jemand, nur Schottland!" giftete John Coghlan die Umstehenden an.

Da waren allerdings die Meinungen nun sehr geteilt. Mike und Alan tippten auf Brasilien oder die Bundestepublik, während Rick irgendetwas von Zaire Oder Australien murmelte (Ich meinte auch irgend etwas von einem Mittelstürmer namens Dracula King-Kong aus seinem Gemurmel herauszuhören, bin mir aber nicht ganz sicher. Schließlich war es schon viele Drinks spät!).

Nun ist es etwas schwierig, mit Musikern zu reden, ohne auf ihr Spezialgebiet zu kommen. Unser nächster Diskussionspunkt war ganz allgemein die Musik. Und wenn man dann über Rock spricht, kommt man ganz bestimmt auf Elvis oder die BEATLES.

Rick erinnerte sich: "Als ich gerade Teenager war, kamen just die BEATLES auf. Oh Mann, ich bin reichlich herumgeflippt damals, mit Pilzkopffrisur und allem dazugehörigem Pipapo. Könnt ihr schon glauben. Ich stand damals bei dem großen Konzert im Wembley und hab' gebölkt wie alle anderen."

Ich fragte ihn, ob er es für möglich hält, daß noch einmal so etwas wie die BEATLES geben wird. Rick: "Ich glaube nicht, Dafür waren sie und auch Elvis zu einmalig. Und was man augenblicklich so unheimfich hochputscht wie David Bowie oder Alice Cooper - die sind keine Phänomene in der Art, die haben eigentlich nur weiterentwickelt, sind Schüler der großen Alten."

Ich fragte noch mal ganz beruflich, ob dieser Aufenthalt in der BRD ein angenehmer für sie war. Mike lachte: "Auf jeden Fall, und das aus verschiedenen Gründen. Erstens ist hier bei euch alles, na sagen wir mal fast alles, unheimlich billig. Zweitens sind die Menschen sehr nett, und drittens ist euer Bier kaum zu schlagen."

Ich schaute ihn ein wenig erstaunt an: "Wieso billig?" Seine Antwort kam prompt: "Na dann geh doch mal nach Groß-Britannien und versuche dort mit dem Durchschnittseinkommen eines - meinetwegen - Journalisten so zu leben, wie du es hier kannst.

Ich habe neulich mal mit einem Mädchen darüber gesprochen, und sie meinte, in England seien die Schallplatten und die Klamotten doch so viel billiger als hier in der BRD. Ich habe ihr nur gesagt: Mädchen, wenn du glaubst, daß du dich von Platten und Modeartikeln sattessen kannst, dann komm nur rüber zu uns.

Aber im Ernst, wenn du in GB nicht verhältnismäßig gut verdienst - und das tun 2/3 der Bevölkerung nicht, hast du kaum mal was Gutes auf dem Tisch."

Image caption: STATUS QUO waren nicht nur laut, sie lieferten auch eine Bünenshow, die in Europa ihresgleichen sucht