Clipping details
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| Title: | Veteranen, Dynosaurier des Rocks, Stars? |
| Notes: | German article about Quo's pending 20th anniversary including interview comments |
| Year: | 1980 |
| Country: | Germany |
| Publication: | Music Scene |
| Author: | Dave Th. Hutmacher |

Veteranen, Dynosaurier des Rocks, Stars?
STATUS QUO
gibt's noch, nach 18 Jahren.
Man kann über sie denken wie man will. Vom musikalischen Standpunkt haben sie mit ihren drei Akkorden wohl keine Meilensteine gesetzt und warden es auch kaum jemals tun. Man erkennt neue Stücke der Alt-Rocker unmittelbar, ihr Sound ist so einprägsam und uniformmässig wie die Jeans ihrer Fans. Es findet keine Entwicklung statt. Sollte es aber auch nicht, denn was wäre, wenn Blue Jeans einmal keine Blue Jeans mehr wären?
Dave Th. Hutmacher traf - wie schon einmal zuvor - Francis Rossi, den Gitarristen mit der Spagat-Show auf der Bühne, und plauderte mit ihm. Viel Neues hat er eigentlich nicht gehört. Oder doch?
Irgendwann im nächsten Jahr werden Status Quo ihr 20jähriges Jubiläum feiern können. Und damit gehörten sie zu den ganz wenigen Gruppen, die aus jener verrückten Anfangszeit des Beat und Rock überhaupt noch überlebt haben, geschweige denn in einigermassen der gleichen Formation. Sie haben - und das erscheint in diesem Zusammenhang gleich noch etwas seltsamer - kaum jemals etwas an ihrem Stil, ihrem Sound, ihrer Musik verändert. Und trotzdem können sie noch heute auf eine recht grosse Gefolgschaft von hauptsächlich jüngeren Fans zählen, die brav und treu an ihre Konzerte gehen und ihre Platten konsumieren. Aber dann hört man auf ihrer neusten LP "Just Supposin'" plötzlich zarte Saitenklänge. Was ist los? Konzessionen an ältere Fans, oder einfach ein Einfall, der einmal ausprobiert warden musste? "Das mit den Strings haben wir schon einmal gemacht. ganz früher" meint Francis Rossi. "Damals ging's allerdings darum, einige schlechte Passagen bei schlechten Songs möglichst gut zu überdecken. Ist zwar nicht ganz gelungen .... Bei «Rock 'n' Roll» war es einfach eine Idee. Und wer sagt denn, dass das bei Status Quo nicht auch mal möglich ist? Das Rock-Business ist nämlich ein komisches Business. Die Leute sagen dir ständig was du machen kannst, darfst und solltest, und was nicht. Zum Glück tauchen da zwischendurch mal Bands wie das Electric Light Orchestra auf, die haben nämlich genau das gemacht, was viele Bands vor ihnen schon tun wollten, aber nicht tun "durften", weil sich Streicher und Rock'n'roll nicht vertragen sollen". Nun gut, Streicher sind immer noch die Ausnahme bei Status Quo, der Rest des Sounds hat die ganzen Jahre über recht gut und gleich überlebt. Und jetzt sind wir auch gleich mitten in einer Heavy Metal-Welle, da stehendoch die Quo ganz plötzlich wieder mitten im Geschehen, oder nicht? "Heavy Metal gibt es schon ewig lange. Er hat eigentlich nie aufgehört zu existieren, er ist höchstens ein wenig in den Hintergrund getreten. Und heute ist nichts gescheites anderes an Musik herum, also tritt Heavy Metal wieder ein bisschen mehr in den Vordergrund. Wir merken nicht sehr viel davon, denn wir sind noch ein paar Kilowatt von Heavy Metal entfernt. Nun gut, die Zuschauer sind bei uns oftmals die gleichen wie ber AC/DC, und unser Name steht ganz friedlich neben Motörhead auf ihren Jeans-Jacken. Aber wir haben doch einen etwas anderen Stil, wir machen Boogie-Rock. Und unsere Fans sind auch immer die selben geblieben. Also nicht die selben Leute, sondern die gleiche Art von Leuten, nur vielleicht ab und zu eine neue Generation. Gott, wir werden alt! Aber es sind jedenfalls die Zuhörer, die gerne tanzen, hopsen und mitschaukeln. Sie wollen pulsierenden Beat haben, und den bekommen sie von uns!" Ist es eine Frage des Wollens oder des Könnens, dass Status Quo heute noch beinahe wie Status Quo vor 18 Jahren tönen? "Nun ja, ganz so wie vor 18 Jahren tonen wir auch nicht mehr. Aber wir werden an unserer Musik erkannt wie ein grüner Hund an seiner Farbe. Wir wollen doch den grünen Hund nicht plötzlich rot anmalen! Ein paar Sachen haben sich schon verändert. Wir haben gelernt, bessere Songs zu schreiben, und das ist bei den wenigen Akkorden gar nicht so einfach! Es gibt eine beschränkte Anzahl Kombinationen, und innerhalb derer bewegen wir uns. Aber anpassen wollen wir uns nicht. Ich meine, was soll das, wenn wir morgen plötzlich nach Supertramp und Pink Floyd tönen? Was sich verändert hat sind vor allem Kleinigkeiten. Als wir «Rocking All Over The World» aufnahmen, haben wir die letzten und kleinsten Ungenauigkeiten bei den Aufnahmen ausgebügelt. Und das Resultat: eine Platte, die zwar gefallen hat, aber die zu klinisch war. Früher hatten wir oft einen rauhen, ungenauen Sound im Studio. Ein wenig drekkig, ein wenig zu viel übersteuerte Gitarrenverstärker, ein bisschen zu viel Rasseln am Schlagzeug. Dann plötzlich das Klinische. Was wir bei «Just Supposin'» versucht haben ist ein Mittelweg. Da kann es schon einmal vorkommen, dass eine Gitarre nicht ganz stimmt oder dass kleine Fehlerchen drin sind. Aber der Knall kommt besser durch. Wenn wir im Studio sind, und ich komme zu einer Passage, von der ich genau weiss, dass ich immer Fehler mache, steigt die Spannung der anderen Musiker mit. Und wenn ich dann plötzlich über die Stelle herauskomme geht ein Aufatmen durch's Studio und die anderen spielen ebenfalls mit mehr Spass mehr Dampf. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb uns «Just Supposin'» besser gefällt als vieles, was wir vorher gemacht haben. Es ist echter". Normalerweise gibt's gleich im Anschluss an ein neues Album eine Tour. Bei Status Quo war das nicht so. Weshalb? "Wir waren nicht bereit. Das ist der Hauptgrund. Dafür haben wir bereits eine nächste LP im Kasten, die wir irgendwann im Frühling rauslassen, und dann soll es auch eine Welt-Tour geben. Gleichzeitig war es eben auch einmal interessant zu sehen, ob man Platten auch ohne Auftritte verkaufen kann. Da gibt es Leute die behaupten, das ginge nicht. Ist doch alles Quatsch. Pink Floyd beweisen das Gegenteil mit «The Wall». Ich meine, 12 Gigs kann man wirklich nicht als Tournee bezeichnen. Alan Parson beweist es. Viele andere Gruppen beweisen es. Im Prinzip ist eine Tour mit einer neuen LP doch ein Riesenbeschiss. Es ist doch, als ob man sich sage, dass wenn die LP nicht gut genug ist, schafft man's vielleicht mit einem Live-Auftritt, dass die Zuschauer trotzdem eine Platte kaufen, so als Erinnerung. Das ist natürlich bei neuen Gruppen anders, die müssen erst einmal darauf hinweisen, dass es sie überhaupt gibt, und dass man ihre Platte kaufen soll. Der Konzertmarkt ist beschränkt, es gibt einfach so-und-soviele Leute, die an Konzerte gehen. Aber es gibt noch unzählige mehr, die Platten kaufen. Es wird interessant sein, die Verkaufszahlen von «Just Supposin'» zu sehen, denn es ist das erste Mal, dass wir nicht nach iner LP eine Tour machen! Aber da ist auch noch der finanzielle Aspekt: so eine Tour kostet unheimlich viel!" Wieviel, wollte ich wissen. "Nun, bei der «Rocking All Over The World»-Tour war es zu Beginn der Tour 1/4 Million Pfund, und ich bin sicher, dass die Zahlen beim Buchhalter am Schluss wesentlich höher waren. Das Geld muss auch erst wieder verdient werden. Und da machen sich viele Leute völlig falsche Vorstellungen. Die multiplizieren nämlich die Anzahl Zuschauer mit dem Eintrittspreis und sehen uns dann im Geld schwimmen. Dem ist leider nicht so! Wenn nur ein Gig ausfällt, kann das Tage oder Wochen dauern, bis der Verlust wieder aufgeholt ist. Und das mit dem Ausfallen ist sowieso nicht ganz so einfach. Da kannst du nicht wie bei einem gewöhnlichen 8-bis-5-Job telefonieren und sagen du hättest Kopfweh oder sonstwas. Du kannst nicht mit einem Arztzeugnis auf die Bühne kommen und sagen 'schaut mal, heute kann ich nicht spielen'. Es kann schon mal vorkommen, dass einer hinter die Bühne geht, schnell kotzt, und anschliessend weiterspielt. Es ist ein harter Job, aber wenn du mal so viele Jahre auf diese Weise gearbeitet hast, wird auch das zur Routine". Routine hin oder her: das Zuschauen macht bei Status Quo nach wie vor Spass, auch wenn überhaupt keine Kunst-Ansprüche gestellt werden. Es geht um's Entspannen, um's Mithopsen, um die Freude an der Sache. Ich jedenfalls freue mich darauf, wenn es das nächste Mal heisst «Status Quo all over Switzerland»!