Quo scrapbook clipping details

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(from scrapbook 2, page 69)

  

Title: Rick drecht schon in der Garderobe voll auf
Notes: Long interview with Rick (in German)
Year:
Country: Germany
Publication: Bravo
Author:

Clipping text

Die Haupttypen des Rock

Rick dreht schon in der Garderobe voll auf

Hier stellen wir Euch den blonden Rhythmus-Gitarristen von Status Quo näher vor...

Das Weinglas auf dem Verstärker ist halbvoll, vibriert wie bei einem Erdbeben: Der Verstärker ist auf volle Pulle gedreht. Francis Rossi und Rick Parfitt stehen davor, Rücken an Rükken, spielen einen langsamen Blues, drehen sich plötzlich um, lachen sich an, wechsein den Rhythmus, warden Schneller, stampfen mit den Füßen im Takt, schütteln ihre Köpfe mit den langen Haaren. Immer schneller bewegen sich die Hände am Gitarrenhals, gleiten den Steg hinauf und herunter, greifen die Saiten.

Aber niemand interessiert sich dafür, applaudiert, schaut ihnen zu oder springt plötzlich aufgeheizt vom Sitz hoch.

Andy Bown, der neue fünfte Mann und Organist, sitzt in der Ecke und liest ein Buch, John Coghlan blödelt mit einem Sanitäter rum. Obwohl John weiß, daß der Junge ein Autogramm möchte, stellt er sich dumm und laßt sich immer wieder erklären, was los ist. Alan Lancaster unterhält sich währenddessen mit den Roadies, die gerade am kalten Büfett ihre Pappteller mit Sandwiches beladen.

Das ist typisch für Status Quo: Manager, Musiker, Roadies, Freunde versammeln sich in einer Garderobe, unterhalten sich, nehmen sich gegenseitig auf den Arm - während Francis und Rick ihre Gitarren stimmen und sich warmspielen.

Eine Stunde vor jedem Konzert wiederholt sich diese Szene fast jeden Tag in irgendeiner anderen Stadt in der Welt. Es ist wie bei einem Autorennen. "Da lassen die Fahrer die Motoren auch warmlaufen, geben im Leerlauf Vollgas und schalten noch einmal zur Kontrolle alle Gänge durch. Dasselbe machen wir musikalisch auch in der Garderobe", erklärt Rick Parfitt. Selbstverständlich ist das nicht - vor allem bei Gruppen, die so erfolgreich wie Status Quo sind. "Wir künnten uns die Sache auch einfach machen, die Gitarren von den Roadies stimmen lassen, Minuten vor dem Auftritt in der Halle auftauchen und sofort auf die Bühne gehen. Aber dann brauchen wir mindestens fünf Songs, um warm zu werden - bis dahin könnten sich die Fans langweilen und die Stimmung wäre dahin."

Genau das ist das Erfolgsrezept von Status Quo. Sobald die Mikrofone eingeschaltet sind, die Scheinwerfer brennen, sind sie heiß. "An diese Arbeitsweise haben wir uns vor allem zwischen 1969 und 1972 gewöhnt. Da mußten wir unser Geld als Anheizer für andere Gruppen oder mit Auftritten bei Festivals verdienen und durften meist nur 30 Minuten spielen. Wer in dieser kurzen Zeit die Fans gewinnen will, muß auf der Bühne Volldampf machen", erzählt Rick Parfitt.

Er kam als letzter zu Status Quo. "John und Francis kennen sich schon seit 1962, gründeten damals auch ihre erste Gruppe. Wenig später kam Alan - darum feiern wir in diesem Jahr am 13. Mai das 16jährige Bestehen der Band. Ich stieg erst 1967 ein. Bis dahin hatte ich mit zwei Mädchen zusammen gespielt. Wir nannten uns 'The Highlights'."

Aber mit Rick begann für Status Quo der Aufstieg. "Schon wenige Monate später, am 24. Januar 1968, zogen wir zum erstenmal mit 'Pictures of Matchstick Men' in die englische Hitparade ein. Sechs Hits schafften wir bis 1970, dann war die Luft raus".

Damals begann bei Status Quo der musikalische Umbruch. "Wir waren es einfach leid, als Teenie-Gruppe angesehen zu werden, wollten musikalisch ernstgenommen werden. Aber das akzeptierte niemand - die Fans waren die ersten, die unsere neue Richtung, unseren Schwenk von der Popmusik zum härteren Rock akzeptierten. Während die Kritiker sich über unsere Platten lustig machten oder sie überhaupt nicht beachteten, begannen die Fans, uns bei Konzerten zu feiern."

Foto-Sessions, Interviews - all das lehnten Status Quo ab. "Wenn ihr über uns schreiben wollt, dann über unsere Platten oder unsere Konzerte", forderten die Jungs. Und dabei sind sie auch heute noch zum großen Teil geblieben. Rick war es hier, der seine Freunde davon überzeugte, daß Interviews notwendig sind. Er ist immer einer der ersten, der Autogramme gibt. "Das gehört einfach mit zum Showgeschäft, aber auch das erkannten wir sehr spät. Ich glaube, bis 1976 hatte kaum ein Fan von uns Autogramme. Wir wollten diesen ganzen Zirkus einfach nicht mitmachen."

So kommt es, daß viele Rick für den Boß halten. Aber im Grunde gibt es bei Status Quo keinen Boß. "Wir sind ein Team, in dem jeder seine Aufgabe hat. Die meisten Songs stammen von Francis, Alan schreibt zumeist die Arrangements. Die Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Vielleicht haben wir deswegen auch 16 Jahre zusammenbleiben können. Bei uns wollte sich nie jemand in den Vordergrund spielen oder der große Star sein."

Das sind keine Sprüche wie bei manchen anderen Gruppen. Selbst Roadmanager Bob Young gehört zur Band wie jeder andere. Er komponiert Songs, ist oft privat mit Status Quo zusammen, spielt auch gelegentlich bei Plattenaufnahmen oder auf der Bühne mit. Privatleben gibt es für Rick, den Sohn eines Londoner Versicherungsvertreters kaum. "Seit mir mein Vater vor kanpp 20 Jahren -ich war damals gerade zehn - meine erste Gitarre schenkte, interessiere ich mich für die Musik. Meinem gefiel das sehr, er spielt schließlich auch sehr gut Klavier." Mit 15 gründete Rick schon seine erste Gruppe, "The Highlights", und als er 19 wurde, kam er 1967 zu Status Quo.

"Ich war der letzte, der einstieg. Und als letzter heiratete ich auch. Ich fand nie die richtige, bis ich auf unserer Deutschland-Tournee 1972 in einer Göttinger Discothek Marietta traf." Die blonde Deutsche aus Höxter studierte damals und interessierte sich eigentlich überhaupt nicht für Status Quo. Sie sagte später: "Als mich Rick zum Tanzen aufforderte, wußte ich gar nicht, wer er war. Im Grunde sah er auch mehr wie ein Student aus. Einen Rockmusiker hatte ich mir jedenfalls immer ganz anders vorgesteilt."

Inzwischen haben Rick und Marietta zwei Kinder. Sohn Richard wurde am 18. Oktober 1974 geboren, und Tochter Heidi Marie kam während der letzten Deutschland Tournee im Februar 1978 auf die Welt. "Manchmal wünsche ich mir, mehr Zeit für Marietta und die Kinder zu haben", meint Rick, aber ich komme einfach nicht von der Musik los.

Rick Parfitt

Geboren am 12. Oktober 1948 im Londoner Stadtteil Woking. Große: 1,79 m. Augen: blau. Haare: blond. Verheiratet mit Marietta seit 15. September 1973. Autogrammadresse: Quarry Productions, Lincoln House, 52 Old Compton Street, London W1